Nachfolgend die vermutlich wichtigsten Trends im Internet-Business für das Jahr 2010:
1. Location Based Services & Mobiles Internet
Applikationen und Webservices die mit Lokalisierung und Geo-Tagging zu tun haben, werden im Jahr 2010 durchstarten. Allen voran der Geolocation-Dienst Foursquare, der schon als das nächste Twitter auf GPS-Basis gefeiert wird. Die Anwendungsmöglichkeiten sind in der Tat enorm. Und der spielerische Charakter von Foursquare wird für eine schnelle Verbreitung und kritische Nutzermenge sorgen. Dieser Gaming-Faktor ist der elementare Anreiz, der für eine häufige Nutzung sorgen wird. Foursquare kombiniert die Möglichkeiten von Facebook mit Geo-Tagging. Im Twitter-Stil kann man Empfehlungen z.B. von Cafés schreiben (wie man das z.B. von Qype kennt) die andere dann lesen können. Anschließend wird man mit einem Punktesystem und Auszeichnungen belohnt. Eine Alternative zu Foursquare könnte Gowalla werden, das auf einem ähnlichen Prinzip beruht.
Durch günstigere mobile Breitbandzugänge wird sich die mobile Internetnutzung weiter beschleunigen. Das iPhone von Apple wird seinen Erfolg fortsetzen und Nexus One von Google sorgt möglicherweise für einen neuen Distributionsweg von Smartphones. Mobile Advertising wird enorm an Bedeutung gewinnen.
In diesem Kontext ist das neue Konzept-Video von Time Inc. sehr interessant. Es zeigt eine mögliche Zukunft von Magazinen am Beispiel von Sports Illustrated.
Die Werbespendings im Consumerbereich werden im Jahr 2010 deutlich stärker und schneller als bisher in Online-Medien verlagert. Auch mobile Online-Werbung wird erstmals eine kritische Größe erreichen. Die Investitionen der Werbeindustrie folgen somit mit mehrjähriger Verspätung der veränderten Mediennutzung der Konsumenten.
Traditionelle Medienunternehmen haben vielfältige Herausforderungen im neuen Jahr zu stemmen. Das beginnt zunächst beim Selbstverständis. Sie sollten sich künftig als Multimedia-Unternehmen definieren und – soweit realisierbar – eine Start Up-Kultur etablieren. Derzeit sind drei wesentliche strategische Optionen zu erkennen, die sich dann in zahlreiche taktische Maßnahmen herunterbrechen lassen.
1. Technologie-Partnerschaften
Da viele Medienunternehmen eklatante Defizite bei der Technologie-Kompetenz haben, liegen Joint Ventures mit Telekommunikations-, Internet- und IT-Unternehmen auf der Hand. Ebenso sind Akquisitionen geeignet, um sehr viel schneller Technologie-Kompetenzen aufzubauen. Durch eine erfolgreichen Integration von Internetdienstleistern und Softwareunternehmen können im Idealfall bestehende, verkrustete Strukturen schneller aufgebrochen werden und dabei wie ein Beschleuniger für das notwendige Change Management im gesamten Unternehmen wirken.
2. Diversifizierung Erfolgsversprechend ist hier die Markendehnung von starken Medien-Brands in andere Segmente, z.B. in die Bereiche E-Commerce, Marketing Services, Marktforschung, Corporate Publishing. Die Diversifizierungsklassiker Bücher & Musik sind ebenfalls wichtig.
3. Cost Reduction Kostenreduzierungen sind unpopulär und nicht innovativ. Sie sind jedoch notwendig, um sich noch möglichst lange Handlungsspielräume offen zu halten. Sparen alleine ist jedoch keine Zukunftsperspektive und daher ist diese Option nur in Verbindung mit den beiden anderen strategischen Alternativen sinnvoll, d.h. Kostenreduktion bei gleichzeitiger Investition in die Zukunft - andernfalls wird Sparen sonst schnell zum Kostenfaktor.
Grundsätzlich gilt: Bislang hat noch keines der traditionellen Medienunternehmen den Königsweg gefunden und “die eine Lösung” wird es auch nicht geben. Es ist vielmehr ein Mix aus verschiedenen Strategien ohne Tabus, d.h. auch heilige Kühe müssen angetastet werden dürfen. Insbesondere die Medienkonvergenz muss bei allen Strategien im Fokus bleiben, zumal die Unterscheidung zwischen Medien- und Telekommunikationsunternehmen schon lange nicht mehr trennscharf ist. Die angekündigte strategische Neuausrichtung der Deutschen Telekom unterstreicht diese Entwicklung eindrucksvoll.
Die Gehälter in der Internet- und Newmedia-Branche steigen trotz Wirtschaftskrise teilweise im zweistelligen Prozentbereich. Der sich in den kommenden Jahren weiter verschärfende Fachkräftemangel wird zusätzlich dafür sorgen, dass die Verhandlungsposition für Arbeitnehmer besser wird. Die Internetwirtschaft zeigt damit eine gegenläufige Entwicklung zu vielen anderen Branchen.
Im Schnitt verdient man in der Interaktiv-Branche 54.500 Euro jährlich – abhängig von Alter, Funktion und Profession. Verdienen die unter 30-Jährigen im Schnitt 40.000 Euro jährlich, so liegt die Altersgruppe der bis 34-Jährigen schon bei 49.100 und der bis 40-Jährigen bereits bei 65.700 Euro. Spitzenverdiener ist die Altersgruppe der “Generation 50+”. Sie liegt im arithmetischen Mittel bei 93.700 Euro.
Sehr interessant sind auch die starken regionalen Unterschiede. Spitzenreiter in Deutschland ist das PLZ-Gebiet 6 mit durchschnittlich 65.500 Euro Jahresgesamteinkommen noch vor den PLZ-Gebieten 2 und 8, die man eigentlich im Bereich Digitale Wirtschaft an der Spitze erwartet hätte. Beim PLZ-Gebiet 2 beträgt das Gesamteinkommen 55.500 Euro / Jahr und im PLZ-Gebiet 8 liegt es bei 54.600 Euro / Jahr.
Das sind zumindest die wesentlichen Ergebnisse des “Gehalts- und Karrierevergleichs Digitale Wirtschaft 2010″ für Fach und Führungskräfte in Agenturen und Wirtschaft, Onlinemarketing, Multimedia, E-Commerce und anderen Medienkonvergenz-Märkten in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Der Gehaltsspiegel listet detailliert die Gehälter auf, die in der Interaktiv-Branche in 13 Arbeitsgebieten, vier Führungsebenen, sechs Ausbildungsrichtungen und elf Branchen gezahlt werden.
Die Untersuchungsergebnisse sind sehr schön durch zahlreiche Tabellen und Grafiken illustriert und gehen stark ins Detail. So werden z.B. für folgende Positionen die typischen Gehälter angegeben (bei gleichzeitiger Differenzierung nach Branchen): Controlling / Qualitätssicherung, Redaktion / Content, Programmierung, Grafik / Kreation, SEM / SEO, Mediaplanung, Konzeption, Projektmanager, Vertrieb / Key Account Manager, Leitung Onlinemarketing Anwenderseite, Geschäftsleitungs- / Teamassistenz, Marketing / PR, Geschäftsführung /-leitung. Bei manchen Tabellen sind die einzelnen Positionen dann nochmals weiter differenziert, z.B. Grafik / Kreation in die drei Bereiche Grafik 2D / GUI Design, Grafik 3D / Animation und Progammierung Umsetzung.
Dadurch werden nicht übertragbare Allgemeinpläze und das Vergleichen von Äpfeln mit Birnen vermieden. Eine hervorragende Übersicht die alle relevanten Aspekte berücksichtigt - mir ist keine bessere und vor allem differenziertere Untersuchung bekannt.
Die zugrunde liegende Befragung wurde vom HighText Verlag zusammen mit der Personalberatung TGMC Dr. Thieme und Partner Management Consulting durchgeführt. TGMC ist seit 1994 am Markt und hat sich als Personalberatung für Dialog- und Distanzkommunikation spezialisiert.
Herausgeber: HighText Verlag; Umfang: 76 Seiten in DIN A5; ISBN 978-3-939004-11-0, 39,80 Euro, versandkostenfreie Bestellung unter http://www.ibu.si/C.
Die Website des Medienclusters NRW, versteht sich einerseits als Informationsplattform, die über Aktivitäten des Medienclusters NRW berichtet, und andererseits als Think Tank und Serviceplattform.
Besonders schön ist der “Media Biz Tank”. Dort werden sehr prägnant und übersichtlich sämtliche Geschäftsmodelle im Web dargestellt und mit internationalen Best Practices verknüpft. Durch diese Best Practices wird unmittelbar der Bezug zur Praxis hergestellt. Dadurch wird echter Mehrwert gegenüber rein theoretischen Studien generiert, die leider häufig nur Allgemeinplätze nennen oder allgemein auf die Veränderung von Wertschöpfungsketten anspielen.
Bei der Übersicht wird zwischen den grundsätzlichen Online-Erlösquellen „Content/Applikationen“, „Online-Werbung“ und „eCommerce“ unterschieden.
Ebenfalls unbedingt lesen sollte man die beiden Beiträge (Link zum Teil 1, Link zum Teil 2) zum Thema Paid Content von Marc Ziegler. Publisher sollen sich in Anlehnung an Jeff Jarvis künftig ”mehr als Spinne im Informations-, Service- und Unterhaltungsnetzwerk ihrer Zielgruppe betrachten.” Für die Mehrheit der Inhalte-Anbieter wird nach Ansicht des Autors ”Paid-Content als wesentliche Ertragssäule ein unerfüllter Wunsch bleiben”. Größere Möglichkeiten bietet seines Erachtens “die Erschließung performancebasierter Werbegeschäftsmodelle sowie das über transaktionsbasierte Plattformen generierte eCommerce-Geschäft.” Marc Ziegler ist übrigens u.a. auch Co-Autor der sehr guten Studie “GRID MEDIA. (Überlebens-)Strategien für Publisher im digitalen Zeitalter“, die bereits im Jahr 2007 erschien.
Digital Innovators Summit von FIPP, VDZ und emediaSF: Über 30 internationale Experten werden am 1. und 2. März 2010 in Berlin erfolgreiche Digitalisierungsstrategien für Verlage und Erfolgsrezepte jenseits der Display-Werbung vermitteln.
Referenten sind zum Beispiel anerkannte Experten wie Carolyn McCall, CEO Guardian Media Group, und Bob Carrigan, CEO IDG Communications, der vom angesehenen US-amerikanischen Magazin „BtoB Media Business“ als „Top Innovator for 2009“ ausgezeichnet wurde.
Der Kongress richtet sich an alle Publikums- und Fachverlage, da Wachstumsfelder vor allem im digitalen Geschäft liegen. Signifikante Potenziale gibt es neben der Online-Werbung vor allem im E-Commerce und bei digitalen Dienstleistungen, aber auch bei Paid Content. In diese Richtung weisen auch die Pläne der Medienunternehmen, die die Digitalumsätze in den nächsten Jahren erheblich steigern wollen, um die Rückgänge im traditionellen Geschäft aufzufangen.
Stichworte zum Programm:
Erfolgreiche Digitalisierungsstrategien für Verlage mit Fallstudien von internationalen Verlegern mit diversifizierten Geschäftsmodellen und Paid-Content und -Services
Erfolgsrezepte jenseits von Online Display-Werbung und neue Möglichkeiten der digitalen Monetarisierung durch innovative Tools, Services und neue digitale Endgeräte
Erwartungen von Agenturen und Werbungtreibenden an Verlage als Werbeträger und ihr Leistungsspektrum
Diskussion mit innovativen Unternehmen aus dem In- und Ausland über ihre Erfolgsmodelle für Verlage
Das Ziel der Veranstaltung ist konkrete Beispiele vorzustellen und die Teilnehmer zu eigenen Lösungen zu inspirieren. Der Digital Innovators Summit findet in der Hauptstadtrepräsentanz der Deutschen Telekom statt und richtet sich vor allem an Verleger, Geschäftsführer und Manager deutscher und internationaler Medienhäuser. Es werden 250 bis 300 Teilnehmer aus aller Welt erwartet.
Das ausführliche Programm, alle bisher bestätigten Sprecher, weitere Informationen und die Anmeldung für Teilnehmer stehen auf www.innovators-summit.com.
Deutscher Medienkongress 2010: Die Veranstalter bezeichnen ihn selbst als “Kick-off-Jahreskongress” für die Werbe- und Medienbranche in Deutschland. Das Motto der Veranstaltung, die im Congress Center der Messe Frankfurt stattfindet, lautet “The Future of Media – Was wird die Kommunikation von morgen prägen?”. Begleitend findet die Kongressmesse Best Media 2010″ stand, auf der Dienstleister, Vermarkter und Partner der Werbetreibenden Neuheiten, Produkte und Vermarktungsmodelle der veschiedenen Mediengattungen vorstellen.
Zu den Referenten gehören u.a.: Thomas-B. Quaas, Beiersdorf; Gerhard Berssenbrügge, Nestlé Deutschland; Thorsten Dirks, E-Plus Gruppe; Thomas Ebeling, ProSiebenSat.1 Media; Christian Nienhaus, WAZ Mediengruppe; Dr. Stefan Groß-Selbeck, XING; Nikolaus Brender, ZDF; Norman Pearlstine, Bloomberg L.P.
Der Kongress am 19. und 20. Januar 2010 besteht aus acht zentralen Modulen:
Part 1: Wie sehen Entscheider die Zukunft der Kommunikation?
Part 2: TV – Wachstumstreiber Digitalisierung
Diskussionsrunde: Das Fernsehen der Zukunft – Der Kampf um das Wohnzimmmer hat begonnen!
Was erwarten die Werbekunden zukünftig von TV?
Bleibt TV weiterhin Lead-Medium für die Markenkommunikation?
Was bietet TV 2010-2015 an Innovationen?
TV goes online: Strategien klassischer Fernsehanbieter im Netz
Interaktives Fernsehen ITV, Mobile TV, Bewegtbild – die “neuen Hoffnungsträger”
Wie wird die Zusammenarbeit zwischen den Markt-Playern – TV-Vermarkter, Werbetreibende und Mediaagenturen – 2010-2015 aussehen?
Part 3: Print – auf dem Weg zu neuen Ufern
Part 4: Digial Media – Ready for the next digital revolution?
Diskussionsrunde: Social Media und Targeting – die großen Wachstumstreiber
Was sind die digitalten Innovationen 2010-2015?
Wird Online zum neuen Leitmedium in der Markenkommunikation?
Wer ist Gewinner, wer Verlierer im digitalen Konsolidierungsprozess?
Was bedeutet Social Media für die digitale Kommunikation von mogen? Verdrängen Social Media Aktivitäten die klassischen Online Werbeformen?
Traumpaar Online Marketing und Mobile – wie funktioniert das Zusammenspiel zwischen digitalen Kanälen?
Targeting und Performance Marketing als die digtalen Hoffnungsträger der Zukunft
Referenten werden sein:
Dr. Tobias Nickel, Leiter BMW Marketingkommunikation, BMW AG
Dr. Clemens Riedl, Geschäftsführer, StudiVZ
Ulrich Kramer, Gründer und CEO, Pilot Group
Marco Seiler, CEO, Syzygy Group
Terry von Bibra, Geschäftsführer, Yahoo! Deutschland; Vice President Advertising Marketplaces, Yahoo! Europe!
Frank Bacher, Geschäftsführer Marketing & Sales, Interactice CCSP GmbH
Matthias Ehrlich, Vorstand, United Internet Media AG
Marianne Stroehmann, Geschäftsführerin Advertising, AOL Deutschland Medien GmbH
Part 5: Mobile – The next big thing
Diskussionsrunde: “Mobile” vor dem Durchbruch? Was sind die Zukunfts- und Vermarktungstrends mobiler Medien?
Ist Mobile auf dem Weg zum neuen Trendmedium?
Welchen Einfluss hat Mobile auf die anderen Medien?
Mobile Web vs. Mobile App – wohin geht der Trend?
Was muss Mobile leisten, um eine feste Rolle im Media-Mix zu erhalten?
Kann Mobile traditionelle Medien retten?
Was bedeutet “Made for Mobile” für die Strategie von Marken und Medienhäusern?
Part 6: Bewegtbild und Web-TV – Die neuen digitalen Hoffnungsträger
Diskussionsrunde: Bewegtild auf dem Vormasch! Zukunft- und Vermarktungstrends
Welche Möglichkeiten bietet Bewegtbild-Werbung für die Markenkommunikation?
Wie lassen sich Marken im Netz inszenieren?
Wie kann man mit bewegten Bildern im Netz den Markenwert steigern und Geld verdienen?
Welche Werbeformen sind für welche Marken am meisten geeignet?
Wo liegt die Zukunft dieses “neuen” Werbetools?
Part 7: Radio – die mobile Revolution eines Klassikers
Telekommunikations- und Medienunternehmen auf dem Prüfstand war die Unterzeile des Panels “Bist Du nur populär oder verdienst du schon”, das am 29.10.2009 während der Medientage München statt fand. Das Panel wurde von Oliver Wyman ausgerichtet.
Einführung: Daniel Milleg, Partner Oliver Wyman, München
Podiumsdiskussion: Dr. Rainer Deutschmann, Senior Vice President Mobile Products, Products & Innovation, Deutsche Telekom, Bonn Dr. Martin Enderle, CEO Scout24, München Sönke Martens, Director Corporate Development, XING, Hamburg Dr. Ulrich Schmitz, Leiter New Business/Technology, Elektronische Medien, Axel Springer, Berlin Konstantin Urban, Managing Director Holtzbrinck Ventures, München
Moderation: Michael Geffken, Autor & Leiter Journalistenfortbildung, VDZ Zeitschriftenakademie, Potsdam
Zentrale Punkte: Daniel Milleg von Oliver Wyman zeigte in seiner sehr guten Präsentation und gelungen Einführung unter anderem Stärken und Herausforderungen von Telekommunikationsanbietern, Medienhäusern, Endgeräteherstellern und Sozialen Netzwerken & Online Portalen.
Die Herausforderung bei Telekommunikationabietern bestehe beispielsweise in effizienter Kundenbindung. Die bisherige Kundenbasis der Telekommunikationsunternehmen könne jedoch schon gut monetarisiert werden. Die Medienhäuser haben mit sinkendem Print- und Anzeigengeschäft zu kämpfen, haben jedoch den Vorteil, das sie Kundenzugang und exklusive Inhalte besitzen. Das Problem der Endgerätehersteller sei, das viele Geräte austauschbar sind. Die Sozialen Netzwerke & Online Portale sind zwar populär, sie haben jedoch oft erhebliche Herausforderungen bei der Monetarisierung.
Für die nachfolgende Podiumsdiskussion sah Daniel Milleg drei entscheidende Fragebereiche:
1. Szenarien für die Popularitätsentwicklung
2. Hebel für die Generierung von Umsätzen durch Popularität
3. Potential innerhalb der Wertschöpfungskette für weitere Player
Kooperationen und Partnerschaften halten die meisten Beteiligten für wichtig,u.a. auch Dr. Rainer Deutschmann. Eine wichtige Ausnahme ist Konstantin Urban, er hält dieses Thema für nicht ganz so wichtig.
Dr. Martin Enderle erläuterte das der Wert eines Netzwerkes mit jedem weiteren Mitglied steigt. Der Fachbegriff dafür lautet übrigens “Netzwerteffekt“, eine in der Betriebswirtschaft bekannte und gut analysierte Erkenntnis.
Dr. Ulrich Schmitz ist der Meinung es nie leichter war als heute ein StartUp zu gründen – dank Facebook & Co.
Sönke Martens erläuterte zum Panel-Thema “Bist du nur populär oder verdienst du schon”, das XING schon Geld verdient habe bevor man populär war – man habe bereits sehr früh positiven Cash-flow gehabt. Kooperationen stiften seines Erachtens dann Sinn, wenn dadurch ein User-Benefit geschafften wird. Zudem hält er die Triebkraft Ego in Social Networks für sehr wichtig.
Paid Content: Wunsch oder Wirklichkeit? So lautete ein spannendes Internet-Panel während der Medientage München am 29.10.2009.
Einführung: Christian Koepe, Vertriebsleiter Medienlösungen Deutschland, Siemens, München
Podiumsdiskussion: Michael Brehm, Gründer studiVZ, Berlin Dr. Holger Feist, Director Business Development, Hubert Burda Media, München Harald Greiner, Director Business Development Media, Siemens, München Markus Härtenstein, Leiter Product Management & Programming, maxdome, ProSiebenSat.1 Group, Unterföhring Stephan Roppel, Leiter Unternehmensentwicklung Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck, Geschäftsführer Holtzbrinck Digital, München
Moderation: Prof. Dr. Dr. Claudius Schikora, Professor für Medienmanagement, Vertrieb und Marketing, Fachhochschule für angewandtes Management, Erding
Zentrale Punkte der Podiumsdiskussion: Michael Brehm vertrat während der Diskussion den Standpunkt, dass Paid Content eine große Zukunft hat. Seines Erachtens wird Paid Content aber in anderen Bereichen realisiert werden, als in den Bereichen für die das meistens diskutiert werde, d.h. nicht bei den Online-Ablegern von Zeitungen.
Er nannte als erfolgsversprechendes Stichwort sogenannten “User generated Paid Content.” Er geht auch darauf ein, weshalb die meisten Online-Startups immer noch in den USA gegründet werden. Eine Ursache dafür sieht er darin, dass es dort immer noch mehr Risikokapital gibt und es dadurch schlicht und einfach höhere Chancen gibt, Treffer zu landen. Die weitere Erklärung ist ebenso einfach: der Markt ist größer, dadurch wird schneller eine kritische Größe erreicht, die für viele Online-Geschäftsmodelle notwendig ist.
In Deutschland werde zudem oft nach Vorbildern gefragt, bevor etwas umgesetzt würde. Gibt es kein Vorbild, gibt es auch oft keine Unterstützung oder kein Venture Capital. Manchmal ist es besonders kurios, wie bei dem Beispiel Qype, das Michael Brehm nannte: Erst nachdem Qype von einem Unternehmen aus den USA kopiert wurde, stellte sich demnach die Unterstützung und damit der Erfolg hier in Deutschland ein. Die ”Copycat” lief hier also einmal in die andere Richtung.
Harald Greiner ist der Meinung das Paid Content inbesondere im Bereich sehr spezieller Zielgruppen funktioniert, z.B. im B2B-Bereich.
Anmerkung Markus Caspari: Vermutlich meint er hier Business Information Geschäftsmodelle, siehe auch Blogeintrag zum Thema Business Information und den Ambitionen von Dr. Bernd Buchholz auf BusinessMediaBlog.com. Oder Harald Greiner bezieht das weniger auf B2B, sondern vielmehr auf das Thema Science.
Christian Koepe hält Micro-Payments für eine notwendige Voraussetzung für Paid Content im News-Bereich. Bei der Abrechnung von Paid Content über Telekommunikationsprovider sieht er die Gefahr, das diese sich der Inhalte bemächtigen.
Stephan Roppel hält die Einfachheit der Abrechnung von Paid Content für zentral.
Dr. Holger Feist ist der Meinung, das das oft andiskutierte Spendenmodell des Journalismus nicht funktionieren wird – erst Recht nicht in Deutschland, da hier eine andere Spendenbereitschaft vorherrscht als in den USA, wo der Charity-Gedanke ohnehin weit verbreitet ist. Er definiert während der Diskussion die Voraussetzungen für “Killer-Content” und greift dazu eine Formulierung von Peter Kerckhoff auf: “3S” -Spielfilme, Sport & Sex. Stephan Roppel ergänzt um ein viertes “S”, nämlich ”Science”. Michael Brehm baut das ganze mit “Spielen” + “Shoppen” aus. Ein Zuschauer nannte dann schließlich noch “Schule” und meinte damit Lerninhalte und damit das siebte “S”.
Die “7S-Regel für Paid Content” lautet demnach: Spielfilme, Sport, Sex, Science, Spiele, Shoppen und Schule. Das sind Inhalte die sehr gut ”funktionieren” und somit Paid Content ermöglichen können.
Quelle: Paid Content: Wunsch oder Wirklichkeit, Medientage München, Panel 4.4, Raum 14c, 1. OG, 29.10.2009, 14:00 bis 15:30 Uhr
Zu den Stichworten “User generated Paid Content” und “spezielle Zielgruppen” möchte ich folgendes anmerken: Bereits seit deutlich mehr als einem halben Jahrzehnt praktiziert das B2B Internet-Unternehmen Emporis (bei dem ich u.a. auch Teil des operativen Unternehmerteams war) unter anderem auch “User generated Paid Content” im B2B-Umfeld. Zu den Zielgruppen gehören inbesondere Fachleute und -unternehmen aus der internationalen Bau- und Immobilienbranche, d.h. hier handelt es sich unter anderem um eine Verbindung der Vorteile von “Business Information” mit den Vorteilen von “Web 2.o”.
Augmented Reality wird die Medienwelt nachhaltig verändern. Augmented Reality eröffnet zahlreiche Paid Content Geschäftsmodelle, an die vor einigen Jahren noch niemand gedacht hat. Gerade durch die Verbindung mit dem Mobiltelefon, bei dem die Nutzer erfahrungsgemäß ohnehin eine deutlich höhere Zahlungsbereitschaft für konkrete Mehrwerte aufweisen als bei ”herkömmlichen” Internetapplikationen, eröffnen sich dadurch in meinen Augen gerade für viele Medienunternehmen in den B2C-Märkten grandiose Möglichkeiten zur Schaffung neuer Geschäftsmodelle und zur Umsatzgenerierung.
Ich habe ganz konkrete Ideen (die ich hier nicht öffentlich im Detail verbreiten werde) wie insbesondere Consumer Medien neue, skalierbare Geschäftsmodelle auf Basis von Augmented Reality aufsetzen könnten. Natürlich gibt es auch im B2B-Bereich mögliche Ansätze. Für die meisten Medieninhalte besteht seitens der Nutzer keine oder nur eine geringe Zahlungsbereitschaft. Denn durch das Internet sind die meisten Inhalte ubiquitär und oft durch kostenfreie Inhalte substituierbar.
Durch die konkrete “just in time” Anwendung in Verbindung mit Augmented Reality können bestimmte Medieninhalte aber einen erheblichen Mehrwert für den einzelnen Anwender darstellen. Denn jeder weiß, dass in einem anderen Umfeld ein und die gleiche Ware plötzlich deutlich mehr Wert sein kann. Beispiel: Für ein Bier im Restaurant ist man bereit ein Vielfaches des eigentliches Wertes zu bezahlen. Im Supermarkt wäre die Zahlungsbereitschaft für das gleiche Bier deutlich geringer. Menschen zahlen für ein und das gleiche Produkt in unterschiedlichen Situationen sehr unterschiedliche Preise – das ist jedem BWLer bekannt. Diesen Umstand können sich Medienunternehmen mit Hilfe von Augmented Reality Applications nutzbar machen, um bestehende und künftige Inhalte besser zu monetarisieren.
Nachfolgend drei examplarische Videos, die das gewaltige Potential von Augmented Reality verdeutlichen und die mich unglaublich beeindruckt haben, als ich sie das erste mal angesehen habe.
Video über eine Application auf Basis von Augmented Reality und wie der Alltag dadurch beinflusst werden könnte:
Video von Layar das ein mögliches Anwendungsbeispiel für den Immobilienmarkt zeigt:
IPTV & Erfolgsfaktoren: goetzpartners hat im Dezember 2008 eine Studie zu IPTV veröffentlicht. Die Untersuchung beginnt mit IPTV-Grundlagen, analysiert die IPTV-Märkte in Deutschland und nennt Unterschiede zum internationalen Umfeld. Außerdem werden IPTV-Technologien, Vertrieb und Marketing ausführlich analysiert. Schließlich werden fünf Erfolgsfaktoren herausgearbeitet:
Anbieter müssen in den Netzausbau investieren. IPTV erfordert heute noch Internetanschlüsse mit einer Bandbreite von mehr als 6 Mbit/s für Fernsehen in HD-Qualität. Je höher die bereitgestellte Bandbreite, desto attraktiver das Angebot.
Die Anbieter müssen IPTV als „Marke“ etablieren. Nur starke Marken werden Erfolg haben.
IPTV muss in Form von interaktiven und individualisierbaren Angeboten attraktiven Mehrwert bieten.
Einen attraktiven Preis, für den der Werbemarkt einen erheblichen Beitrag leisten kann
Benutzerfreundlichkeit und Einfachheit
Aus den Erfolgsfaktoren werden dann sehr ausführlich die verschiedenen Handlungsoptionen herausgearbeitet. Sehr gelungen sind Schaubilder zu der IPTV-Wertschöpfungektte und die Übersicht über IPTV-Geschäftsmodelle.
Autoren (alle goetzpartners): Dr. Alexander Henschel (Managing Director), Marcus Worbs (Manager), Susanne Kindler (Senior Consultant), Kathrin Koch (Consultant), Florian Kramer (Associate Consultant).
Am 29.10.2009 findet während dem Kongress auf den Medientagen in München ein Panel zum Thema “PayTV und VoD in Deutschland -Warten auf Godot?” statt, das sich damit beschäftigt inwiefern die Marktteilnehmer mit ihren Geschäftsmodellen dem veränderten Nutzerverhalten Rechnung tragen müssen.